Das Blepharophimose-Ptosis-Epicanthus inversus-Syndrom ist eine kongenitale, überwiegend autosomal dominant vererbte Lidfehlbildung mit zwei klinischen Subtypen: Typ 1 umfasst die klassische Lid Trias (Blepharophimose, Ptosis, Epicanthus inversus, häufig mit Telekanthus) plus primäre Ovarialinsuffizienz (POI), während Typ 2 ausschließlich die okulären Merkmale aufweist. Begleitend werden Tränenwegsanomalien, Refraktionsfehler, Strabismus und Amblyopie berichtet; das Gesichtsprofil kann u. a. einen breiten Nasenrücken, tiefsitzende Ohren und ein kurzes Philtrum zeigen. Die weltweite Prävalenz ist unklar; in Einzelstudien wurden seltene Fallserien mit zusätzlicher okulärer Pathologie beschrieben.
Das Management erfordert eine interdisziplinäre Betreuung. Ophthalmologisch stehen Amblyopie Prophylaxe und stufenweises chirurgisches Vorgehen (z. B. Korrektur von Telekanthus/Epikanthus und Ptosis) im Vordergrund. Bei BPES Typ 1 ist eine endokrinologische Mitbetreuung mit Aufklärung zu Fertilität, Knochen und Herzgesundheit und eine Hormonersatztherapie nach POI Leitlinien indiziert; assistierte Reproduktion ist schwierig, aber möglich (Fallserien zeigen trotz Gonadotropin Resistenz einzelne IVF Erfolge). Natürliche oder behandlungsassoziierte Schwangerschaften bei POI sind selten, jedoch berichtet (Fraison et al., 2019, PMID: 31279714; Yu et al., 2021, PMID: 34711234
Zusammenfassend ist BPES ein FOXL2 assoziiertes, phänotypisch variables Syndrom mit vollständiger Penetranz der Lidmerkmale und variabler reproduktiver Beteiligung bei Frauen (Typ 1). Eine präzise genetische Diagnostik ermöglicht die Subtypisierung, genetische Beratung und pränatale Optionen; das Langzeitmanagement kombiniert ophthalmologische Korrektur, visuelle Rehabilitation und reproduktionsendokrinologische Versorgung.Genetisch beruht BPES überwiegend auf pathogenen Varianten in FOXL2 (intragenische Varianten als Hauptursache, daneben Gen Deletionen oder selten regulatorische Deletionen/Translokationen). Die FOXL2 Funktion ist für die Entwicklung periokulärer Gewebe und die Ovarfunktion essenziell; Genotyp Phänotyp Beziehungen erklären die Abgrenzung von Typ 1 (mit POI) versus Typ 2 (ohne POI) nur teilweise (Lin et al., 2023, PMID: 37932670)
Eine klinische Verdachtsdiagnose kann molekulargenetisch durch Nachweis einer FOXL2 Veränderung bestätigt werden. Eine pränatale Diagnostik ist bei bekannter familiärer Variante möglich.
Blepharophimose, Ptosis und Epicanthus inversus (BPES)
MLPA-Analyse, Sanger Sequenzierung
Kosten
Die Kosten werden bei bestehender medizinischer Indikation über einen Überweisungsschein Typ 10 (EBM) abgerechnet. Humangenetische Leistungen sind nicht budgetrelevant.
Für privatversicherte Patienten sowie private Kostenträger (Krankenhäuser etc.) können auf Wunsch entsprechende Kostenvoranschläge erstellt werden.