Ataxia teleangiectatica (AT)

Ihr regionales Labor für Rückfragen und Beauftragung
Ataxia teleangiectatica (A-T) ist eine Multisystemerkrankung, die durch zerebelläre Ataxie, Teleangiektasien, Immundefekte und eine Prädisposition für maligne Erkrankungen gekennzeichnet ist. Das phänotypische Spektrum reicht von der klassischen A-T mit schwerer Ausprägung bis zur varianten A-T mit milderer Symptomatik.
- Die klassische A-T ist gekennzeichnet durch einen Beginn im Kindesalter mit fortschreitenden neurologischen Symptomen (anfangs zerebelläre Ataxie, typischerweise gefolgt von extrapyramidaler Beteiligung und peripherer sensomotorischer Neuropathie), Immunschwäche (variabel assoziiert mit Anomalien der humoralen, zellulären oder kombinierten Immunität), Lungenerkrankungen (infolge rezidivierender Infektionen, Immunschwäche, Aspiration, interstitieller Lungenerkrankung und neurologischer Auffälligkeiten) sowie einem erhöhten Risiko für maligne Erkrankungen. Obwohl eine intellektuelle Entwicklungsstörung bei Ataxia teleangiectatica als selten gilt, können Störungen in zerebellären und nicht-zerebellären Hirnarealen und -netzwerken zu kognitiven Defiziten führen. Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber ionisierender Strahlung (Röntgen- und Gammastrahlung) kann schwere Nebenwirkungen solcher Behandlungen nach sich ziehen. Die Lebenserwartung ist aufgrund von Krebs, Lungenerkrankungen und Infektionen deutlich reduziert.
- Die variante A-T verläuft milder. Während die zerebelläre Ataxie fehlen kann, sind extrapyramidale Bewegungsstörungen (typischerweise Dystonie und dystoner Tremor) häufig, und die meisten Betroffenen weisen Symptome einer axonalen sensomotorischen Polyneuropathie auf. Im Gegensatz zur klassischen A-T ist die Immunfunktion normal, Atemwegsinfektionen treten nicht häufiger auf, und Lungenerkrankungen sind kein Hauptmerkmal. Allerdings ist das Risiko für die Entwicklung von Malignomen erhöht, insbesondere bei prämenopausalen Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und hämatologische Malignome aufweisen.

Die Erkrankung wird durch autosomal-rezessive krankheitsrelevante Varianten im ATM-Gen verursacht. Dieses kodiert das ATM-Protein aus der Familie der Phosphatidylinositol-3-Kinasen, einer Gruppe von Proteinen, die auf DNA-Schäden reagieren, indem sie Substrate phosphorylieren, die an der DNA-Reparatur und/oder der Zellzykluskontrolle beteiligt sind. Die geschätzte Prävalenz der Erkrankung liegt bei 1-9:100.000.

Die Therapie umfasst unterstützende Behandlungen zur Verbesserung der Lebensqualität, zur Maximierung der Funktionsfähigkeit und zur Reduzierung von Komplikationen und erfordert eine multidisziplinäre Betreuung durch Spezialisten der (pädiatrischen) Neurologie, Pneumologie, Immunologie, Pädiatrie (für Kinder) und Inneren Medizin (für Erwachsene), Rehabilitationsmedizin sowie Fachkräfte aus den Bereichen Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Ernährungsberatung. Bei spezifischen Problemen können Spezialisten aus den Bereichen Onkologie, Humangenetik, Endokrinologie, Orthopädie, Dermatologie, Psychiatrie und Sozialarbeit hinzugezogen werden (vgl. GeneReviews, Veenhuis et al., updated 2025, PMID: 20301790).
Material Dauer Akkreditierung
3 - 5 ml EDTA-Blut 4 Wochen ja
Untersuchte Bereiche / Gene
Gen/Region OMIM-P Erbgang Erkrankung Methodik
ATM 208900 AR Ataxia teleangiectatica (AT) MLPA und DNA-Sequenzanalyse, Short-Read-NGS
HPO Terms
Abdominal pain|Abnormal B cell count|Abnormal bone marrow cell morphology|Abnormal circulating creatine concentration|Abnormal hair morphology|Abnormal pyramidal sign|Abnormal speech pattern|Abnormal spermatogenesis|Abnormal testis morphology|Abnormality of chromosome stability|Abnormality of eye movement|Abnormality of movement|Abnormality of the gastrointestinal tract|Abnormality of the immune system|Acute lymphoblastic leukemia|Amaurosis fugax|Anorexia|Anxiety|Aplasia/Hypoplasia of the skin|Aplasia/Hypoplasia of the thymus|Ataxia|Attention deficit hyperactivity disorder|Atypical behavior|Autosomal dominant inheritance|Autosomal recessive inheritance|B-cell lymphoma|Basal cell carcinoma|Benign neoplasm of the central nervous system|Breast carcinoma|Bronchiectasis|Cafe-au-lait spot|Cardiac diverticulum|Cellular immunodeficiency|Childhood onset|Choreoathetosis|Chronic diarrhea|Cognitive impairment|Conjunctival telangiectasia|Constipation|Decreased circulating antibody concentration|Decreased circulating IgA concentration|Decreased circulating IgG concentration|Decreased circulating IgG2 concentration|Decreased proportion of CD4-positive helper T cells|Defective B cell differentiation|Delayed puberty|Delayed speech and language development|Depression|Developmental regression|Diabetes mellitus|Disturbed sensory perception|Dysarthria|Dysdiadochokinesis|Dysgraphia|Dyskinesia|Dystonia|Elevated circulating alpha-fetoprotein concentration|Elevated circulating hepatic transaminase concentration|Failure to thrive|Fatigue|Female hypogonadism|Fever|Flexion contracture|Gait disturbance|Gastrointestinal hemorrhage|Glioblastoma multiforme|Glucose intolerance|Hallucinations|Hemiplegia/hemiparesis|Hepatocellular carcinoma|Hodgkin lymphoma|Hypertonia|Hypopigmentation of hair|Hypoplasia of the thymus|Hypotonia|Immunodeficiency|Inability to walk|Increased intracranial pressure|Intention tremor|Irritability|Leukemia|Lymphadenopathy|Lymphoma|Lymphopenia|Malabsorption|Memory impairment|Microcephaly|Migraine|Mucosal telangiectasiae|Multiple cafe-au-lait spots|Myoclonus|Nausea and vomiting|Neoplasm|Neoplasm of the breast|Neoplasm of the colon|Neoplasm of the pancreas|Neoplasm of the rectum|Neoplasm of the skeletal system|Neoplasm of the thyroid gland|Neuroblastoma|Non-Hodgkin lymphoma|Nystagmus|Ovarian neoplasm|Pancreatic adenocarcinoma|Paresthesia|Pituitary adenoma|Polycystic ovaries|Premature graying of hair|Prematurely aged appearance|Progressive cerebellar ataxia|Recurrent bronchitis|Recurrent lower respiratory tract infections|Recurrent respiratory infections|Reduced tendon reflexes|Renal neoplasm|Seizure|Short stature|Sinusitis|Skeletal muscle atrophy|Slurred speech|Spasticity|Splenomegaly|Stomach cancer|Strabismus|T lymphocytopenia|Telangiectasia of the skin|Tremor|Type II diabetes mellitus|Typified by somatic mosaicism|Urinary tract neoplasm|Uterine neoplasm|Visual field defect|Visual impairment|Weight loss
Kosten
Die Kosten werden bei bestehender medizinischer Indikation über einen Überweisungsschein Typ 10 (EBM) abgerechnet. Humangenetische Leistungen sind nicht budgetrelevant. Für privatversicherte Patienten sowie private Kostenträger (Krankenhäuser etc.) können auf Wunsch entsprechende Kostenvoranschläge erstellt werden.
scroll to top